28:29 im Endspiel gegen Leipzig - Toller Fight der BVB-Frauen wird nicht belohnt

[22.05.16] Sie hatten den ganz großen Coup verpasst, nun wollten sie nicht auch noch den Jubel der Sieger sehen. Müde, mit Tränen in den Augen, schleppten sich die Handballerinnen von Borussia Dortmund nach der 28:29 (13:13)-Niederlage gegen den HC Leipzig in ihre Fan-Ecke, sie genossen, sie brauchten den Trost, die Anerkennung, den Respekt, die aufmunternden Rufe, den Beifall der schwarzgelben Handball-Gemeinde an diesem Samstag Nachmittag.
Verflixt, es geht eben nicht knapper als mit einem lächerlichen Tor Unterschied zu verlieren. Und keiner würde wagen zu sagen, sie wären auch dieses eine Tor schlechter gewesen, sie hätten schon zu Recht verloren. Sie hatten in der Höhle des Löwen dem Hausherrn einen heißen Fight geliefert, sie hatten allem getrotzt. Einem bärenstarken Gegner, der diesen Titel unbedingt wollte, einem teilweise entfesselten Publikum, und einem Schiedsrichtergespann, das offenbar schon vorher auf dem Zettel den Sieger notiert hatte.

Aber der Reihe nach. 4568 sahen in der prächtig gefüllten Arena Leipzig eine ausgeglichene Partie, in der die Borussia fast über sich hinauswuchs. Leipzig war wild entschlossen, zum siebten Mal DHB-Pokalsieger zu werden. Als Sparringspartner für die Leipziger Handball-Party aber taugte der BVB nun gar nicht. Auch wenn vor allem im Abschluss wahrlich nicht alles gelang, die Borussia blieb erst einmal auf Augenhöhe, musste zwar einen 4:7-Rückstand verdauen, doch dann meldete sie sich bravourös zurück, legte mit jedem Spielzug ein wenig mehr die Nervosität ab. 13:13 stand es zur Pause, die Schwarzgelben hatten sich nicht einmal davon entmutigen lassen, dass die Unparteiischen munter Zwei-Minuten-Strafen gegen sie aussprachen.

Chance gespürt

„Es ist großartig, was wir heute hier geboten haben“, sagte Ildiko Barna nach 60 Minuten, die alles boten, was das Handball-Herz begehrt. „Wir haben schon vor dem Spiel gefühlt, dass wir hier was machen können, dass wir eine Chance haben“, sagte die BVB-Trainerin. Aber wenn es dann tatsächlich etwas zu bemängeln gab, dann die Tatsache, dass sie viel zu viele Chancen liegen ließen, dass sie wahrlich nicht immer gut abschlossen.

Virag Vaszari, die im Halbfinale gegen Blomberg-Lippe noch so großartig gespielt hatte, hatte das Wurfglück völlig verlassen, drei verworfene Siebenmeter sind auch nicht gerade eine prächtige Bilanz. Mitte der zweiten Halbzeit war der hohe Favorit auf 25:20 davongezogen, die Leipziger Fans bereiteten sich innerlich schon auf die Feier vor. Aber Anne Müller ging voran, trieb an, verwandelte eiskalt die Siebenmeter. Und Carolin Schmele, die gegen Blomberg hinter ihren Möglichkeiten geblieben war, fand ebenfalls sieben Mal den Weg ins Tor.

"Werden jetzt feiern"

Der Vorsprung schmolz, und die Unparteiischen werden die Frage, warum sie Anne Müllers Tor kurz von Schluss nicht gaben, nie schlüssig beantworten können. Am Ende aber fehlte eben dieses eine Tor, und Ildiko Barna wollte, „so traurig ich jetzt auch bin“, Leipzig mit positiven Gedanken verlassen. „Wir werden jetzt feiern, was wir diese ganze Saison so geleistet haben“, sagte die BVB-Trainerin. Und wenn sie einen Wunsch frei hätte: „Dann stehen wir nächstes Jahr wieder im Final Four.“

BVB: Woltering, Burrekers, Ferenczi, Kramer (3), Ingenpaß, Grijseels (3), Weisheitel, Potocki, Müller (7/4), Schäfer (1), Schmele (7/2), Ettaqi (1), Selmeci, Salberg, Nadgornaja (5), Vaszari (1)

Gerd Strohmann (Ruhr Nachrichten)

Packendes Finale: Leipzig holt sich den Pokal

[22.05.16] Vor 4.568 Zuschauern in der heimischen Arena konnte der HC Leipzig den Heimvorteil beim Final 4 um den DHB-Pokal nutzen und den Titel mit einem 29:28 (13:13) davontragen. Gegner Borussia Dortmund lieferte dem HCL allerdings über sechzig Minuten einen leidenschaftlichen Kampf und am Ende waren einmal mehr Torhüterin Katja Kramarczyk und die zur Welthandallerin des Jahres nominierte Karolina Kudlacz-Gloc die Sieggaranten der Sachsen.
Ich glaube, es wird ein spannendes Finale, wenn der HC Leipzig mit seiner Angriffsqualität auf das Abwehrbollwerk von Borussia Dortmund trifft", erklärte Metzingens Anna Loerper vor dem Endspiel. Die Nationalspielerin wurde am Rande der Partie ebenso wie Neckarsulms Verena Breidert für die 2. Liga als beste Spielerin der Saison in der Handball Bundesliga Frauen geehrt.

Anne Müller, vor der Saison aus Leipzig nach Dortmund gekommen, führte den Anwurf aus, Rafika Ettaqi sorgte mit dem 0:1 für den optimalen Beginn der Westfälinnen. Leipzig, das in der Abwehr mit einer 5+1-Abwehr Nadja Nadgornaja aus dem Spiel nahm, konnte nach einem Strafwurf von Karolina Kudlacz-Gloc direkt ausgleichen.

Danach rückten aber auf beiden Seiten die Torhüterinnen in den Blickpunkt. Sowohl Katja Kramarczyk wie auch Clara Woltering unterstrichen mit spektakulären Paraden ihren Status als etabliertes Nationalmannschaftsgespann. Die Führung wechselte hin und her, es entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe mit hohem Tempo ohne klar erkennbare Vorteile. Erst nach dreizehn Minuten konnte Leipzig ein paar Dortmunder Fehler in Serie bestrafen und Anne Hubinger erzielte vom Kreis das 6:4.

BVB-Trainerin Ildiko Barna nahm nach dem dritten Gegentreffer in Folge die Auszeit, doch die Westfälinnen fanden ihren Rhythmus aus der Anfangsphase nicht wieder. Erschwerend hinzu kam die erste Zeitstrafe der Partie gegen Stella Kramer, Kudlacz-Gloc konnte so auf drei Tore stellen. Die gestern schon überragende Alina Grijseels beendete dann mit dem 7:5 (16.) die Dortmunder Torflaute und mit einer Parade auf der Gegenseite konnte die 20-Jährige gar den Anschlusstreffer setzen.

Nach einer weiteren Parade Wolterings war es dann Anne Müller, die sich erfolgreich durchtankte und den Ausgleich durch Carolin Schmele ermöglichte. Dortmund hatte nach einem Lattentreffer von Hubinger gar die Führung auf der Hand, ließ diese aber leichtfertig liegen. Mazzucco im Konter und anschließend ein Strafwurf von Kudlacz-Gloc verschafften den Hausherrinnen in der Arena wieder ein wenig Luft. Doch auch Leipzig zeigte durchaus Nerven, Minevskaja beim Siebenmeter und Mazzucco von außen hätten die Führung durchaus weiter ausbauen können.

Stattdessen kam Dortmund trotz einer Zeitstrafe gegen Nadgornaja zurück. Mit disziplinierten Angriffen, der Wurfkraft von Carolin Schmele und der Erfahrung von Anne Müller legte der BVB beim 9:10 (25.) wieder vorne. Es blieb spitz auf Knopf und Schmeles zweiter verworfener Strafwurf gab Mazzucco vor dem Seitenwechsel doch noch die Chance zum Führungstreffer. Auf der Gegenseite konnte aber Stella Kramer postwendend zum 13:13-Halbzeitstand ausgleichen.

Nach dem Seitenwechsel sollte Anne Hubinger mit einem Durchbruch auf der einen, Carolin Schmele mit einem Hüftwurf auf der anderen Seite für einen guten Start sorgen. Die zweite Zeitstrafe für BVB-Abwehrchefin Sally Potocki konnte dann dank zweier Kramarczyk-Paraden Karolina Kudlacz-Gloc mit einem lupenreinen Hattrick zum 19:16 (37.) eiskalt ausnutzen. Es waren beim HCL die erfahrenen Kräfte, die nun die Kohlen aus dem Feuer holte, Kramarczyk war auch in der Folgezeit immer wieder rettende zur Stelle und verhinderte so eine mögliche Dortmunder Aufholjagd und Kudlacz-Gloc konnte so vom Strich auf vier erhöhen.

Dortmund versuchte nun mit der zusätzlichen Feldspielerin seine Probleme in der Offensive zu lösen und blieb so zumindest im Spiel. Allerdings fehlten defensiv noch wichtige Impulse, um dem Spiel eine Wendung zu geben. Ildiko Barna nahm beim 24:19 (46.) noch einmal eine Auszeit. Mit einer kurzen Deckung gegen die bereits zehnmal erfolgreiche Karolina Kudlacz-Gloc erhoffte sich der BVB noch einmal in Schlagdistanz zu kommen. Der HCL nutzte aber die Räume, die sich im fünf gegen fünf ergaben gut aus und hielt die Westfälinnen auf Distanz.

Zumal in kritischen Phasen auch notfalls Katja Kramarczyk zur Stelle war. Nachdem Vaszari frei vom linken Flügel an der Torhüterin gescheitert war, nahm Norman Rentsch beim 26:23 (51.) seine Auszeit. Zwei technische Fehler hintereinander der Leipzigerinnen sowie ein Rückraumwurf von Nadgornaja zum 26:24 zeigten an, dass die Partie längst noch nicht entschieden war. Dortmund hatte seine Möglichkeiten zum Anschlusstreffer, ließ diese aber dann teilweise zu leichtfertig verstreichen.

Nach Potockys dritter Zeitstrafe konnte Woltering dann Minevskaja zum zweiten Mal einen Strafwurf abkaufen, doch auch nun schafften es die Gäste trotz mehrerer Möglichkeiten nicht auf ein Tor zu vekürzen. Leipzig wankte merklich, Dortmund schlug aber kein Kapital mehr darauss und als Kaya Diehl dann zum 29:26 traf, war der Pokalsieg eingefahren. Nadgornaja konnte zwar noch einmal verkürzen, doch jubeln konnten die Hausherrinnen.

Christian Stein, HBF - Foto: Marco Schultz

Weiter
 
Zuruecknach oben
ImpressumKontaktFAQHilfeSitemap(c) 1996 - 2016 Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA